Für 3 Monate als Staff im Herzen der Pfadfinderei

Interview mit Jupfi-Leiter Tom Fella über seine Zeit im KISC

Das Kandersteg International Scout Centre in der Schweiz ist für viele so etwas wie das Mekka der Pfadfinderei. Nachdem viele von uns dort im Stamm und in der Pfadi- oder Roverstufe schon vielfältige Lager und Aktionen verbrachten, hat nach seinem Bruder Yannick nun auch Tom Fella, Jupfi-Leiter im Stamm St. Bonifatius Wächtersbach, für 3 Monate im KISC angeheuert. Bevor er im März wieder nach Deutschland zurückkehrt, haben wir mit Tom über seine Zeit im „Herzen der Pfadfinderbewegung“ gesprochen.

Tom, was hat dich dazu bewogen, im KISC als Staff anzuheuern?

Nach meinem Abitur wollte ich gerne erst einmal etwas anderes machen, anstatt direkt zur Universität zu gehen. In meinem Fall war es relativ naheliegend, mich im „Kandersteg International Scout Centre“ zu bewerben. Unser Zeltlager mit dem ganzen Stamm in Kandersteg 2007 ist wohl einigen Stammesmitgliedern bis heute in Erinnerung geblieben. Mein zweites Mal in Kandersteg war 2013 mit der damaligen Pfadi-Stufe. Mir war immer klar, dass ich auf jeden Fall wieder hier her kommen möchte. Mein Bruder Yannick hat dann 2014 für drei Monate als Short-Term-Staff hier gearbeitet und war absolut begeistert. Da für mich also alles gepasst hat, habe ich mich für die Winter-Season beworben und gehöre jetzt von Dezember bis März zum „Pinkie“-Team.

KISC im Winter

KISC im Winter

Was ist das KISC überhaupt?

KISC steht für „Kandersteg International Scout Centre“ und wie der Name schon sagt, ist es seit 1923 der Treffpunkt für Pfadfinder aus der ganzen Welt. Sehr oft ist auch vom permanenten „Mini-Jamboree“ die Rede, da das Centre 365 Tage im Jahr für alle Nationalitäten, Religionen und Kulturen seine Türen geöffnet hat. KISC wurde vom Gründer der Weltpfadfinderbewegung, Lord Baden Powell gegründet und bringt seitdem Menschen aus der gesamten Welt zusammen. Das Zentrum liegt mitten in einem atemberaubenden Panorama im Berner Oberland in den schweizer Alpen, wodurch wir viele Aktivitäten in den Bergen anbieten können (Ski fahren, Hikes, Klettern,…). Gäste des Zentrums können in den Gebäuden Chalet, Kanderlodge, Sunneblick, dem Tower und auf dem Zeltplatz unterkommen und dort das internationale Flair hautnah miterleben. Wer mehr über KISC wissen möchte, kann sich auf der Seite kisc.ch informieren.

Wie ist das Staff Team zusammengesetzt/organisiert?

Wie alles hier ist auch das Staff-Team international. Derzeit besteht unser Staff-Team aus 27 Leuten aus 18 verschiedenen Ländern (UK, Österreich, Island, Norwegen, Brasilien, Schweiz, Slowakei, Schweden, Italien, USA, Litauen, Irland, Dänemark, Kanada, Finnland, Australien, Israel, Deutschland), die alle zwischen 18 und 27 Jahren alt sind. In Zeiten mit vielen Gästen kommen noch Helfer dazu, die meistens ehemalige Staffs sind. Die einzige Bedingung um Staff zu werden ist, dass man Mitglied einer eingetragenen Pfadfinder-Organisation und mindestens 18 Jahre alt ist, es kann also wirklich so gut wie jeder Pfadfinder Staff werden.

Für Wintersportler hat Kandersteg viel zu bieten

Für Wintersportler hat Kandersteg viel zu bieten

Wie sieht der typische Tagesablauf eines Staffs aus?

Ein normaler „Arbeitstag“ beginnt irgendwann vor 8 mit dem Frühstück. Um 8 Uhr startet dann der „Thought for the day“. Hier treffen sich alle Staffs, die an dem jeweiligen Tag arbeiten. Eine Person bereitet für die ersten 5 Minuten immer etwas vor, wie z.B. ein Spiel, eine Geschichte oder einfach etwas, was er oder sie gerne den anderen erzählen würde. Anschließend werden alle anstehenden Sachen für den Tag und eventuell die nächsten Tage besprochen. Danach geht es für alle in ihre Arbeitsbereiche. Die „Long-Term-Staffs“, also die Mitarbeiter, die für einen längeren Zeitraum im Centre arbeiten, haben ihren Bereich, in dem sie die gesamte Zeit arbeiten. Die „Short-Term-Staffs“ wechseln immer zwischen den verschiedenen Bereichen, arbeiten allerdings meistens in den Bereichen Catering und House. Für uns im Winter besteht aber auch die Möglichkeit, Gruppen als Ski- oder Activityguide zu begleiten und ab und an auch in anderen Bereichen des Centres zu arbeiten. Nach der Mittagspause inklusive Mittagessen von 12-14 Uhr geht es dann wieder bis 18 Uhr an die Arbeit. Den Abend lassen wir dann meistens gemeinsam im Staff-Room ausklingen.

Was „bekommt“ man vom KISC für seine Tätigkeit?

Da KISC von Freiwilligen betrieben wird, bekommen die Short-Term-Staffs kein Geld für ihr Engagement. Lediglich drei Staffs sind wirklich von der KISC Association angestellt. Die Long-Term-Staffs bekommen zwar ein bisschen Geld, die Summen bewegen sich aber alle in der eines üblichen „Freiwilligen-Gehalts“.
Im Endeffekt bekommt man einfach eine unfassbar coole Zeit mit verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt, was mehr als genug für jeden hier ist.

Wie klappt es mit der Verständigung bei so vielen Nationalitäten?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Englisch. Nur wenige Staffs sprechen deutsch. Ohne Englisch geht hier nichts. Anders wäre die Kommunikation zwischen so vielen verschiedenen Nationalitäten sehr schwierig.

Tom_Schlitten

Winter im KISC: Ist da überhaupt was los?

Im Winter ist es je nach Woche sehr verschieden. Während das Centre teilweise komplett leer ist, ist es in anderen Wochen (z.B. Weihnachten, Silvester, Skiwochen) komplett gefüllt. In den ruhigen Zeiten bereiten wir uns dann auf die stressige Zeit vor, langweilig wird es hier also nicht.

Was macht dir so gar keinen Spaß?

Generell müssen alle Aufgaben gemacht werden um das Centre am Laufen zu halten. Da kann dann auch mal die ein oder andere unangenehme Aufgabe dabei sein, aber das hält sich zum Glück in Grenzen.

Was wirst du von deiner Zeit als Staff mitnehmen?

Durch die Arbeit in vielen verschiedenen Bereichen kann ich definitiv sehr viel mitnehmen, was mir in der Zukunft helfen kann. Gerade die Arbeit mit Gästen aus der ganzen Welt ist für mich eine wichtige Erfahrung. Vor allem aber hat mir meine Zeit im KISC viele neue Freundschaften gebracht, die hoffentlich nach unserer Zeit im Centre beibehalten werden.

Würdest Du anderen in deinem Alter empfehlen, Staff in einem internationalen Camp zu werden?

Auf jeden Fall! Ich denke, man kann davon nur profitieren. Meine Erlebnisse aus Kandersteg werde ich bestimmt niemals vergessen!

Das Interview führte Markus Leis. 

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