Friedenslicht aus Betlehem in Fulda ausgesandt

In der evangelischen Christuskirche in Fulda wurde am Sonntag, 14. Dezember 2014 um 14 Uhr wieder das Friedenslicht aus Betlehem ausgesandt. Die Christuskirche war mit etwa 650 Menschen wie immer voll besetzt, inklusive Stehplätze. Für die kleinsten Pfadfinder, den „Wölflingen“, waren die ersten beiden Bänke reserviert und es gab erstmals ein Kinderprogramm vor dem Gottesdienst.

Vor dem Gottesdienst wärmen sich die Wölflinge mit Spielen auf

Vor dem Gottesdienst wärmen sich die Wölflinge mit Spielen auf

Es kamen nicht nur viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus dem gesamten Bistum und der evangelischen Landeskirche zusammen, sondern auch weitere Multiplikatoren, die das Friedenslicht aus Betlehem an die Menschen weitergeben möchten.
Seit 15 Jahren (beginnend 1999) bringen die Pfadfinder nun bereits das Friedenslicht aus Betlehem nach Fulda.
Die ökumenische Aussendungsfeier wurde würdig zelebriert von Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl (Christuskirche) sowie Professor Dr. Karlheinz Diez (Weihbischof Bistum Fulda) und Dr. Martin Stanke (Diözesankurat der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg – DPSG).
Vorbereitet und gestaltet wurde der Aussendungsgottesdienst unter dem bundesweiten Motto „Friede sei mit dir – Shalom – Salam“ von der ökumenischen Friedenslicht-AG der DPSG und des VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder). Die musikalische Gestaltung übernahm traditionell die Gruppe Wegzeichen aus Wächtersbach.

Chor Wegzeichen aus Wächtersbach

Chor Wegzeichen aus Wächtersbach

Von Betlehem nach Österreich – von Wien nach Fulda

Die Friedenslicht-Träger/innen Jacob Mellin, Thorben Huth (VCP) sowie Joana Kulgemeyer-Nentwich und Verenice Christ (DPSG) brachten am Vormittag das Licht per ICE von Wien über München sicher in Laternen nach Fulda. Durch eine Verspätung des Nachtzugs aus Wien, bekamen die vier Friedenslicht-Träger/innen erst den eine Stunde späteren Zug. So war das Friedenslicht bei Temperaturen knapp über 0 Grad Celsius beim Eintreffen um kurz nach 11 Uhr am Fuldaer Bahnhof noch sehnlicher erwartet. Etwa 40 Pfadfinder/innen und andere Gläubige standen am Gleis 6. Darunter auch zwei Mitarbeiter/innen der Deutschen Bahn AG, die ebenfalls das Friedenslicht aus Betlehem mit ihren Kerzen entgegen nahmen.
Und genauso froh waren auch die Friedenslicht-Träger/innen, wieder in Fulda zurück zu sein: „Wir sind überwältigt von den Eindrücken der letzten Tage in Wien“, schwärmt Joana von den Begegnungen und dem tollen Miteinander mit den Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus etwa 25 Ländern, darunter auch aus der Ukraine, aus den USA und sogar aus Bolivien. Etwa 1.000 Pfadfinder aus Europa und darüber hinaus waren in Wien zur zentralen Aussendungsfeier, darunter die vier evangelischen und katholischen Pfadfinder/innen aus Fulda.
Joana ist bereits seit Jahren in der ökumenischen Friedenslicht-AG in Fulda engagiert: „Für mich ist es eine besondere Ehre, nun als Friedenslicht-Trägerin den Weg des Lichtes selbst gehen zu dürfen und seine Reise aktiv mitzugestalten.“
In Wien gab es viele Treffen bspw. beim internationalen Abend mit US-amerikanischen und niederländischen Scouts. Das hat Verenice besonders gefallen: „Wir hatten zahlreiche Begegnungen und Dialoge mit Pfadfindern aus der ganzen Welt. Das war so spannend und bereichernd.“
In Wien fand die zweistündige Aussendungsfeier in der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche zum Thema „Vorstellungskraft“ statt. „Jede Tat und jedes Ziel braucht Vorstellungskraft, um sie vollbringen zu können oder es erreichen zu können. Das Friedenslicht aus Betlehem soll die Vorstellung einer friedlichen Welt in den Herzen der Menschen entzünden.“, erklärt Jakob.
Und so haben die vier Fuldaer Friedenslicht-Träger/innen auch eine Botschaft mitgebracht, die sie in der ökumenischen Aussendungsfeier in der Christuskirche den Gläubigen mit auf den Weg gaben. Thorben fasst zusammen: „Das Friedenslicht aus Betlehem erinnert uns an die Verantwortung für den Frieden, daran, uns aktiv dafür einzusetzen. Dabei ist Frieden eine Gemeinschaftsleistung und Frieden beginnt schon im Kleinen, zum Beispiel in der Begegnung zwischen zwei Menschen mit einem Lächeln.“

Feierliche Lichtübergabe im Aussendungsgottesdienst

Bedrohlich wurde die Atmosphäre zu Beginn der ökumenischen Aussendungsfeier in der Christuskirche, fast schon dunkel. Kriegsgeräusche schallten durch das Gotteshaus, bevor diese verdrängt wurden vom verlesenen Friedensappell von Papst Franziskus (September 2014). Ihn sorgen die vielen Kriegs- und Konfliktsituationen in der Welt, besonders in Syrien: „Der Schrei nach Frieden erhebe sich laut, auf dass er die Herzen aller erreiche; auf dass alle die Waffen niederlegen und sich leiten lassen von der Sehnsucht nach Frieden.“

Gespräch mit einem Christ aus Syrien

In einem Gespräch mit Ramzi Aljat und seinem Sohn Fahed, Christen aus Damaskus in Syrien, wurde die bedrückende Situation der Menschen dort deutlich. Eindrücklich und persönlich schilderten beide, welche Angst die Menschen in Syrien aushalten müssen. Etwa 23 Millionen Einwohner hatte Syrien vor dem Krieg. Nun flüchten immer mehr aus den Städten oder ins Ausland, viele Menschen seien gestorben. Auch die christliche Kultur und Heiligtümer würden zerstört werden. „Wir wünschen uns Frieden für Syrien und auch mehr Unterstützung aus dem Ausland. Wichtig ist es, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Sicherheit zu geben.“, bittet Fahed. Viele Menschen kämen schon auf der Flucht um. Es gäbe einen großen Gemeinschaftssinn unter den Menschen im Krieg, das Leben sei intensiver geworden, weil jeder Tag der letzte sein könnte.
Aufmerksam und gebannt folgten die Gottesdienstbesucher den Schilderungen und die mitgebrachten Bilder aus Syrien auf einer Großleinwand.

Fahed umd Ramzi Aljat im Gespräch

Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez sieht es als Auftrag der drei monotheistischen Religionen, sich besonders und gemeinsam für den Frieden einzusetzen: „Die Juden, Muslime und Christen sind verbunden in dem Wunsch nach dauerhaftem Frieden durch Gott“. Er bemängelte zugleich die Christenverfolgung in vielen Ländern der Welt, ob in Syrien, Somalia, Pakistan oder Nordkorea: „Irak gilt mittlerweile als „christenfrei“, was ein schreckliches Wort. Die Christen gehören mit 100 Millionen Verfolgten inzwischen zu meistverfolgten Glaubensgruppe der Welt.“
Friede beginne im Kleinen, es sei ein gewaltfreies Aufeinanderzugehen, das Respekt voreinander voraussetzt.
Er forderte zudem: „Nehmt Flüchtlinge in diesem Land gastfreundlich auf, sie gehören zu uns, sie brauchen uns. Gott hat keine Hände außer die unsrigen.“ Weiterhin machte er Mut, das Licht in den Herzen zu tragen: „Hell wird es, wenn du kommst.“ Jeder bringe sich selbst als Licht mit und dadurch werde die Welt heller und friedlicher. So forderte der Weihbischof auf, das Friedenslicht aus Betlehem weiterzugeben, damit es für alle Menschen leuchtet und die Herzen und Türen öffne.

Für ein friedliches Europa …

Die Pfadfinder appellieren in diesem Jahr besonders auch für ein friedliches Europa. Das Jahr 2014 hat mit seinen zahlreichen Eskalationen in der Ukraine das Ost-/West-Denken neu entfacht. Harsche Worte auf beiden Seiten haben die Diplomatie in den Hintergrund gedrängt. Längst muss man von einem neuen kalten Krieg mit der Ostverschiebung in die Ukraine sprechen. Russland ist als zielstrebiger Machthaber wieder erwacht und Europa – so muss man leider auch sagen – hat seine Unschuld in diesem Konflikt verloren und ist mit seiner Osterweiterungspolitik kein reines Friedensbündnis mehr. Das ist besorgniserregend.

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Einzug der Friedenslicht-Träger in der vollbesetzten Christuskirche

Für Menschlichkeit und eine Willkommenskultur …

Nicht nur zum Weihnachtsfest sollten Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit groß geschrieben werden. Die DPSG hat „Gastfreundschaft“ zu ihrem Jahresaktions-Thema 2015 gemacht. Durch die vielen Krisen und Kriege, beispielsweise in Syrien und der Ukraine, gibt es wieder mehr Flüchtlinge, die in den Gemeinden Schutz suchen. Die Aufgabe der Unterbringung ist nicht selten ein Problem für die Kommunen. Anders als Anfang der 90er Jahre, einer Zeit, die nicht nur von der Deutschen Einheit geprägt war, sondern auch von der eindeutigen Sprache („Asylanten-Schwemme“, „Das Boot ist voll!“ …), gibt es in vielen Kommunen nicht nur Sorgenfalten, sondern auch den Willen, solidarisch, gastfreundlich und integrativ zu sein. Es gibt Arbeitskreise aus der Gesellschaft heraus, die eine Willkommenskultur leben. Sie streben eine gute Integration an, ohne Forderungen, sondern mit Angeboten. Der Ansatz ist richtig und sorgt hoffentlich für ein friedliches und offenes Klima, einer Besinnung zur Menschlichkeit.

Kollekte für Flüchtlingsunterstützung

Die Kollekte des geht in diesem Jahr an einen Unterstützerkreis für Flüchtlinge, die die Lutherkirche in der Frankfurter Straße in Fulda organisiert. Die Kirche liegt in Nachbarschaft zur größten Flüchtlingsunterkunft des Landkreises Fulda. Derzeit leben 130 Flüchtlinge aus verschiedenen Nationen hier. Der Unterstützerkreis kümmert sich um eine Betreuung und Integration. Beispielsweise werde gerade eine Infobroschüre mit Hilfsangeboten für die Flüchtlinge zusammengestellt. Sie organisieren zusammen mit dem Landkreis gerade auch eine Fortbildung für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsbegleitung und mit Amnesty International zusammen ein Offenes Café, das zum Begegnen und zum Austausch einlädt.
Die Pfadfinder möchten diese Initiative durch die Kollekte unterstützen und freut sich auch, wenn die Lutherkirche hierfür weitere Spenden bekommt.

Vater Unser

Vater Unser

Gebet aus Palästina zum Abschluss der Aussendungsfeier

Den Abschluss bildete ein Gebet einer Schülerin aus Palästina um den Frieden: „Lieber Gott, du bist uns näher als unser schneller Atem und unser klopfendes Herz. Du siehst unsere traurigen Seelen und zerbrochenen Herzen. Du siehst unsere tränenden Augen und zitternden Beine. Du kennst unsere Ängste und Sorgen, unser Leid und Dulden, unsere Unterdrückung und Misshandlung.
Gott, du bist stärker als jede Gefahr, als jede Depression und hast uns immer lieb.
So tröste die Familien aller Verstorbenen und leuchte dein Licht in ihren Augen. Heile die Verletzten und gib ihnen Kraft durchzuhalten. Hilf all den Heimat- und Arbeitslosen und gib ihnen Hoffnung fürs Leben.
Gott, wir bitten dich von Herzen um Verständnis und Liebe, um Vernunft und Gerechtigkeit, um Freiheit und Frieden im Heiligen Land.
Wir vertrauen auf dich und glauben fest, dass du uns heute, morgen und ewig nicht verlässt. Amen.“ Nach dem Gottesdienst gab es draußen vor der Kirche wieder den traditionellen Abschlusskreis der Pfadfinderinnen und Pfadfinder.

Weitergabe des Lichtes

Weitergabe des Lichtes

Aussendung in das Bistum und die Landeskirche per Bahn

Nach der Aussendung wird das Friedenslicht aus Betlehem bereits auf verschiedenen Bahnstrecken aus dem Zug heraus an den Bahnhöfen weitergegeben. In vielen Gemeinden finden Andachten zum Empfang des Lichtes und weitere Aktionen statt. An Heiligabend soll das Friedenslicht bereits an viele Menschen verteilt sein, jeweils nicht nur als warmherziges und sanft leuchtendes Symbol, sondern auch als kleine Erinnerung, selbst Werkzeug des Friedens zu werden und kleine Schritte aufeinander zu zugehen.

Friedenslicht aus Betlehem auch an Tuğçes Grab

In Bad Soden-Salmünster beispielsweise wurden die Pfadfinder vom DPSG-Stamm Heilig Kreuz Ahl/Salmünster mit dem Friedenslicht aus Betlehem am Sonntag um 16.41 Uhr wieder von vielen Gläubigen am Bahnhof erwartet. Zusammen mit der Jugendfeuerwehr Salmünster mit Fackeln liefen die Pfadfinder und die anderen Gläubigen in einer Lichterprozession mit Feuerwehrbegleitung in die Salmünsterer Altstadt. In der katholischen Pfarrkirche St. Peter & Paul fand dann eine kleine Andacht zu Ehren des Friedenslichtes aus Betlehem statt. Am Bahnhof und nach der Andacht wurde das Friedenslicht dann fleißig verteilt, damit es an Weihnachten möglichst viele Menschen erreicht. Das Friedenslicht aus Betlehem wurde am Abend von den Pfadfindern mit den Stammesvorsitzenden Johannes Jöckel, Corinna Christ und dem ehemaligen Stammes- und Diözesanvorsitzenden Frank Seidl auch an das Grab der tapferen Tuğçe Albayrak gebracht, die am 3. Dezember in Salmünster begraben wurde.
Die Pfadfinder aus Bad Soden-Salmünster begleiten und verteilen das Friedenslicht aus Betlehem bereits seit 1999.

Weitere Aktionen in Fulda

In Fulda wurde das Friedenslicht aus Betlehem am Sonntagnachmittag noch an die Türkisch-muslimische Gemeinde in der Ohmstraße weitergegeben. Wie in jedem Jahr waren die Gemeindemitglieder immer freudig überrascht und sehr gastfreundlich. Bei einem heißen Tee unterhielten sich die Pfadfinder und Gemeindemitglieder über das Friedenslicht und darüber, wie wichtig es gerade für die Religionen ist, in diesen Zeiten – auch die Zeiten antiislamischer Demonstrationen in Deutschland – als Gläubige zusammenzuhalten und gemeinsame Schritte des Friedens zu gehen. Die Religionen können dabei durch ihr Zusammenwirken ein positives und denkwürdiges Beispiel in der Gesellschaft geben.
Anschließend wurde das Friedenslicht aus Betlehem noch auf dem Weihnachtsmarkt an die Besucher verteilt.
Als interreligiöses Friedenszeichen übergaben die Pfadfinder das Licht aus dem Heiligen Land nicht nur am Sonntag noch an die muslimischen Gläubigen, sondern am Montag ist wieder – wie in jedem Jahr – ein Treffen mit der jüdischen Gemeinde in Fulda.
Am Dienstag wird das Friedenslicht aus Betlehem zudem an die Gefängnisseelsorge weitergegeben, um auch dorthin ein weihnachtliches Zeichen zu geben.

Weitergabe des Lichtes auf dem Weihnachtsmarkt

Weitergabe des Lichtes auf dem Weihnachtsmarkt

Hintergrund der Aktion

Im Jahr 1986 entstand im oberösterreichischen Landesstudio des Österreichischen Rundfunks (ORF) die Idee, die mittlerweile eine Lichtspur durch ganz Europa gezogen hat: Ein Licht aus Betlehem soll als Botschafter des Friedens durch die Länder reisen und die Geburt Jesu verkünden.

Das Licht ist das weihnachtliche Symbol schlechthin. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes erinnern wir uns an die weihnachtliche Botschaft und an unseren Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen. Seit 1986 wird das Friedenslicht in jedem Jahr in den Wochen vor Weihnachten von einem oberösterreichischen Kind in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt. Züge mit dem Licht fahren über den ganzen Kontinent.

Insbesondere die Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben sich des Friedenslichtes angenommen und sorgen dafür, dass es in den meisten europäischen Ländern verbreitet wird und sogar seinen Weg in die USA gefunden hat. Das Friedenslicht ist kein magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann. Es erinnert uns vielmehr an unsere Pflicht, uns für den Frieden einzusetzen. Das Friedenslicht ist ein Zeichen der Hoffnung. Es breitet sich in wenigen Tagen von einer einzelnen kleinen Flamme zu einem Lichtermeer aus und leuchtet mit seiner Botschaft Millionen von Menschen. Seit 1999 bringen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder das Friedenslicht aus Betlehem auch nach Fulda und verteilen es von dort aus.

Autor: Frank L. Seidel (Ehem. Friedenslichtträger und DPSG-Diözesanvorsitzender)

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