Gelebte Ökumene

Für die Pfadfinder des DPSG Stammes St. Bonifatius aus Wächtersbach sind sie schon zu einer festen Einrichtung geworden: Die Kirchentage und Katholikentage der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Nach dem Mannheimer Katholikentag im letzten Jahr fand nun wieder der Deutsche Evangelische Kirchentag statt, der diesmal zu Gast in der Hansemetropole Hamburg war.

Dass der Kirchentag eine Veranstaltung der evangelischen Kirche ist, stört die katholischen Pfadfinder herzlich wenig. „Für uns ist es ein selbstverständliches Zeichen der Ökumene, auch beim evangelischen Kirchentag mit anzupacken“, erklärt Stammeskurat Daniel Stehling (35). „Um diese Großveranstaltungen stemmen zu können, müssen sich die Konfessionen gegenseitig unter die Arme greifen. Deshalb war für uns schon lange klar, dass wir auch dieses Jahr wieder beim Kirchentag als Helfer dabei sind.“

Nach den Kirchentagen in Bremen und Dresden, dem ökumenischen Kirchentag in München sowie dem Katholikentag in Mannheim ist dies nun schon das fünfte Jahr, in dem die Wächtersbacher Pfadfinder eine Helfergruppe stellen. Dass anderen zu helfen auch eine Menge Spaß machen kann, hat sich mittlerweile anscheinend herumgesprochen, und so wuchs die in den ersten Jahren noch kleine Gruppe auf mittlerweile stattliche 33 Personen, unterstützt von befreundeten Pfadfindern aus Fulda, Hünfeld und Witzenhausen.

Zu tun gab es für die Gruppe in diesem Jahr eine Menge. Am ersten Tag galt es, die Menschenmassen auf dem Jungfernstieg unter Kontrolle zu bringen, wo einer der vier großen Eröffnungsgottesdienste sowie der stimmungsvolle Abendsegen rund um die Binnenalster stattfand. Yannick Storck (18), einer der Helfer der Wächtersbacher Rovergruppe, erinnert sich gerne an die eindrucksvollen Bilder an diesem Abend: „Wenn sich 100.000 Menschen mit Kerzen um die Alster zum Segen versammeln, dann ist das schon ein besonderer Moment.“

Für die übrigen Tage wurde der Gruppe eine ganz verantwortungsvolle Aufgabe übertragen: Die Betreuung der Halle „B5“ auf dem Hamburger Messegelände, mit 7000 Plätzen die größte Veranstaltungshalle auf dem Kirchentag, in der zahlreiche Prominente aus Politik und Gesellschaft ein- und ausgingen. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck waren dort auch Margot Käßmann, Eckart von Hirschhausen sowie Peer Steinbrück zu Gast. Dass es da auch immer wieder zu schwierigen Situationen kommt, ist vorprogrammiert. „Man hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Verärgerte Menschen, die nicht in die überfüllte Halle dürfen, Demonstranten, die die Veranstaltungen stören, Leute, die die Fluchtwege blockieren“, berichtet Stammesvorstand Henning Janssen (25). „Zum Glück waren wir durch unsere Erfahrungen der letzten Helfereinsätze schon gut auf solche Situationen vorbereitet und wussten immer, wie wir zu reagieren hatten“, so Janssen weiter.

Nach dem letzten Programmpunkt am Samstagabend galt es, die 6000 Papphocker der Halle wieder auseinander zu nehmen und auf Paletten zu stapeln, so dass die Gruppe erst spät in der Nacht in ihre Quartierschule zurückkehren konnte. Viel Zeit zum Ausruhen gab es allerdings nicht: Um 4.45 Uhr ging es am Sonntagmorgen zum großen Abschlussgottesdienst im Hamburger Stadtpark. Gemeinsam mit 2000 weiteren Helfern war die Hauptaufgabe dort die Verteilung des Abendmahls an die 130.000 Besucher.

Für Joleen Kreisel (16) war es das erste Mal, Brot und Traubensaft in einem Gottesdienst zu verteilen: „Wir waren schon ein bisschen aufgeregt, schließlich will man ja auch alles richtig machen. Den Gottesdienstbesuchern das Abendmahl bringen zu dürfen war aber für uns alle auf jeden Fall eine schöne Erfahrung.“

Klar ist, dass die Pfadfinder auch im nächsten Jahr wieder im Einsatz sind. Dann geht es nach Regensburg zum 99. Deutschen Katholikentag.

Bilder vom Helfereinsatz in Hamburg findet ihr in unserer Flickr-Galerie.

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